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Die Mona Lisa, ohne jeden Zweifel. Ich stand gut zwei Stunden davor, weil die Menschenmenge so dicht ist, dass man nur in der Warteschlange näher rankommt. Das Gemälde ist kleiner, als es auf Fotos wirkt, und hinter dickem Panzerglas geschützt. Rund um sie herum immer hunderte Leute mit ihren Handys.
Dabei ist das Museum riesig und beherbergt ägyptische Altertümer mit Mumien, die Venus de Milo ohne Arme, die geflügelte Nike-Statue. Auch das Krönungsporträt von Napoleon beeindruckt durch seine schiere Größe. Aber alle kommen wegen dieser Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln. Ich hab gesehen, wie Leute sie fünf Sekunden lang fotografieren und dann weiterhetzen, weil hinter ihnen schon die nächsten drängeln.
Wenn du wirklich was in Ruhe sehen willst, geh in die altägyptischen Säle. Dort ist es still, viel Platz, und man kann Sarkophage ohne Gedrängel betrachten. Aber das Symbol bleibt eben da Vincis Werk.
Was ist das Berühmteste im Louvre außer der Mona Lisa? Ich möchte eine Liste erstellen von dem, was man unbedingt sehen muss, damit ich nicht später durch das ganze Museum laufen muss auf der Suche nach den Hauptwerken. Welche anderen Meisterwerke sollte man dort auf jeden Fall ansehen?
Wolfgang
Ich war morgens um acht im Museum, um den Massen zu entgehen. Als Erstes bin ich in den Saal Salle des États gegangen, wo die Mona Lisa hängt. Selbst zu dieser Zeit waren schon zwanzig Leute da. Das Gemälde ist sehr dunkel, das Gesicht kaum zu erkennen wegen der Spiegelungen auf dem Glas, aber die Energie ist unglaublich. Man steht da und denkt daran, wie viele Millionen Menschen genau dasselbe gesehen haben.
Der Guide erzählte, dass sie 1911 gestohlen wurde und zwei Jahre lang niemand wusste, wo sie war. Nach ihrer Rückkehr stieg der Ruhm nur noch mehr. Jetzt ist sie nicht einfach ein Gemälde, sondern ein kulturelles Phänomen. Leute fliegen extra nach Paris, um sich vor diesem Lächeln fotografieren zu lassen.
La Joconde – so nennen die Franzosen sie. Ich war im Juni dort, stand im allgemeinen Betrachtungsbereich, und du kommst einfach nicht näher ran. Die Wachleute achten darauf, dass niemand die rote Linie überschreitet. Die Größe des Bildes hat mich überrascht, ich hatte etwas Gewaltiges erwartet. Tatsächlich misst es nur 77 mal 53 Zentimeter.
Direkt daneben im selben Saal hängen riesige Gemälde von Tintoretto und Veronese, aber niemand schaut sie an. Alle stehen mit dem Rücken zur restlichen Sammlung und fotografieren diese eine kleine Holztafel. Die Museumsmitarbeiter sagen, dass sie etwa die Hälfte aller Besucher anzieht. Ich bin durch die anderen Flügel gelaufen, wo Meisterwerke von Delacroix und altgriechische Skulpturen stehen. Dort leer, ruhig, man könnte stundenlang sitzen. Aber der Ruhm gehört immer dieser einen Frau.
Als ich in den Denon-Flügel kam, sah ich sofort die Menschenmenge. Alle gingen in eine Richtung, wie von einem Magneten angezogen. Das Gemälde von Leonardo da Vinci hängt separat an der Wand, unter spezieller Beleuchtung und hinter Glas. Ich habe gehört, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit dort permanent überwacht werden, weil die Farben so alt sind. Gemalt wurde sie irgendwann zwischen 1503 und 1519, genau weiß es niemand.
Mir gelang es, etwa fünfzehn Minuten nah heranzukommen. Das Lächeln ist wirklich seltsam, als wüsste sie etwas, das du nicht weißt. Die Augen scheinen durch dich hindurchzuschauen. Ich hab verstanden, warum es so viele Legenden über sie gibt. Obwohl rundherum Lärm ist, Leute schreien, Handys aufblitzen – wenn man sich konzentriert, spürt man eine Verbindung zu jener Zeit.
Ich verbrachte einen ganzen Tag im Louvre und habe fast alles gesehen. Den Codex Hammurabi auf Stein, altpersische Reliefs, die Salle des États mit den italienischen Meistern. Aber der größte Rummel ist immer um ein Gemälde herum. Die Mona Lisa ist zur Marke geworden, sie wird auf T-Shirts gedruckt, auf Tassen, auf Magnete. Das Museum hat sogar einen separaten Raum nur für sie eingerichtet.
Wenn man dort steht, begreift man, dass man nicht einfach Kunst betrachtet. Das ist eine Kulturikone, die jedes Kind auf dem Planeten kennt. Ich sah japanische Touristen, die vor Rührung weinten. Jemand war aus Australien angereist nur für diese fünf Minuten. Der Rest der Ausstellung, obwohl unglaublich, bleibt im Schatten dieser kleinen Holztafel mit dem Frauengesicht.
Ich fragte an der Kasse, wohin ich gehen sollte, und sie sagte: Alle gehen zur Mona Lisa. Nahm einen Audioguide und folgte der Menge. Der Saal ist riesig, hohe Decke, aber alle drängen sich in einer Ecke. Das Gemälde hängt hinter dickem Panzerglas, Wachpersonal steht daneben. Du kannst gut fünfzehn Minuten warten, bis du einen Platz vorne ergatterst.
Als ich endlich nah genug war, sah ich dunkle Töne, bräunliche Nuancen, keine Leuchtkraft. Aber der Blick der Frau ist lebendig. Ich las, dass die Sfumato-Technik, die da Vinci verwendete, einen Effekt von Weichheit erzeugt. Die Konturen sind verwischt, deshalb wirkt es, als würde sie atmen. Ich stand da, schaute, fotografierte. Dann ging ich zum ägyptischen Flügel, aber erinnern tu ich mich vor allem an diesen Moment.
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