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Guten Abend! Mein Name ist Wolfgang, ich bin Schriftsteller und Essayist aus Wien. Meine Arbeit kreist immer um dieselbe Frage: Wie werden Orte zu Orten – durch welche Geschichten, welche Menschen, welche Schichten aus Erinnerung und Vergessen? Diese Frage treibt mich in die entlegensten Winkel der Welt und lässt mich in den vertrautesten Städten immer wieder Neues entdecken.
Mit Wladislaw und Julia kam ich vor drei Jahren ins Gespräch – in einer kleinen Buchhandlung in Neapel, nahe der Piazza Bellini. Wir griffen gleichzeitig nach demselben antiquarischen Band über Stadtgeschichte. Wir lachten, traten höflich zurück, und das Gespräch, das folgte, dauerte bis tief in die Nacht. Die Buchhandlung hatten wir längst verlassen und saßen bei einem Glas Wein in einer Bar um die Ecke.
Mein Beruf hat mich gelehrt, in Geschichten zu denken – in Narrativen, die Orte mit Bedeutung aufladen. Wenn ich durch eine fremde Stadt gehe, höre ich immer mehrere Erzählungen gleichzeitig: die historische, die literarische, die persönliche. Die Weltliteratur ist voll von Reisenden, die über ferne Länder geschrieben haben – und ihr Blick ist oft Teil der kulturellen Identität dieser Orte geworden. In meinen Kommentaren versuche ich, diese literarische Schicht des Reisens sichtbar zu machen.
Nach unserer ersten Begegnung blieben wir in Kontakt, empfahlen uns Bücher, diskutierten über Orte und ihre literarischen Bedeutungen in aller Welt. Als Wladislaw und Julia mir vorschlugen, am Reiseführer mitzuwirken, war ich sofort von der Idee begeistert – einen Reiseführer mit literarischer Tiefenschärfe zu schreiben, ist eine Aufgabe, die mich wirklich reizt.
Im Laufe meiner Reisen bin ich den Spuren großer Schriftsteller gefolgt, die über die verschiedensten Länder geschrieben haben. Literatur ist für mich der intimste Reisebegleiter – sie bereitet einen Ort vor dem Besuch vor und vertieft ihn nach der Rückkehr. Dabei interessiere ich mich nicht nur für die kanonischen Werke, sondern auch für regionale Literaturen, die in Europa kaum bekannt sind.
Besonders fesselt mich die Frage, wie Orte in der Literatur weiterleben, nachdem sich die Realität längst verändert hat. Das literarische Bild einer Stadt oder Landschaft überlagert sich mit der realen Gegenwart und erzeugt ein seltsames, wunderbares Doppelbild. Ich versuche, meinen Lesern zu zeigen, wie man beide gleichzeitig sehen kann.
In meinen Kommentaren werde ich literarische Empfehlungen mit Ortsbeobachtungen verbinden – welche Bücher man gelesen haben sollte, bevor man ein bestimmtes Land besucht, wo man die Atmosphäre eines bestimmten Romans noch spüren kann, welche Bibliotheken, Buchhandlungen und literarischen Cafés in jeder Stadt die intellektuellen Herzen sind.
Mein Beruf hat mich außerdem gelehrt, auf Sprache zu hören – auf regionale Dialekte und Akzente, auf die Art, wie Menschen in verschiedenen Kulturen über Raum und Zeit sprechen, auf die Würde kleiner Sprachen, die vom Verschwinden bedroht sind. Sprache ist für mich der intimste Schlüssel zu einer fremden Kultur.
Mit diesem Projekt möchte ich zeigen, dass eine Reise immer auch eine Reise durch Geschichten ist – und dass man gut beraten ist, mit den richtigen Büchern im Gepäck aufzubrechen.